In einer Pressemitteilung des Schleswig-Holsteinischen Elternvereins vom 27. Janaur 2011 weist dieser auf eine Mehrdeutigkeit im neuen Schulgesetz hin, die allen Schulen den Soforteinstieg in das G9-jetzt! - Modell (sechs Jahre gemeinsame Sekundarstufe I für alle, einschließlich der jetzigen G8-Schüler, danach drei Jahre Oberstufe (G9) oder deren zwei (G8) ermöglicht - ohne Neuorganisation, ohne Mehraufwand an Personal, Mensen etc.
Denn § 18 (4) des Schulgesetzes erlaubt wie bisher, die Oberstufe zwischen zwei und vier Jahren Schulbesuchszeit anzulegen. Das entspricht der KMK-Vereinbarung über die Dauer der Oberstufe, die Voraussetzung für die gegenseitige Anerkennung der Abiturprüfung auf dem Grundstock teilweise sehr unterschiedlicher Schulangebote in den Bundesländern ist.
Dementsprechend könnte jede Schule, die sich für G9 nach § 44 des Schulgesetzes entscheidet (das ist Voraussetzung!), zusätzlich die von G9-jetzt! vorgeschlagene optionale zweijährige Oberstufe anbieten. Übrigens schlägt die hessische SPD genau dieses Modell in einem Antrag zur Änderung des dortigen Schulgesetzes vor.
Die jetzigen G8-Schülerinnen und -Schüler, die der Stein des Anstoßes zum Aufbegehren der Eltern gegen G8 als Regelmodell waren, finden in diesem Szenario auch ihren Platz. Selbst, wenn sie nach dem Buchstaben des Rechts G8-Schüler bleiben, können sie die G9-Mittelstufe durchlaufen und dann auf ihren Anspruch auf G8 zum Eintritt in die Oberstufe verzichten - oder ihn mittels zweijähriger Oberstufe wahrnehmen.
Das wäre nichts anderes als die Änderung eines Lehrplanes im laufenden Schulbetrieb, oder die Umverteilung von Stundentafel-Kontingenten. Da fragt auch niemand nach dem Bestand des Schulverhältnisses. Würde diese Schüler z.B. nach Rheinland-Pfalz umziehen, wo es weiter G9 flächendeckend als Regelangebot gibt, wäre das gar keiner Diskussion wert - sie würden dort einfach in G9 eintauchen können. Das Beharren auf dem Schulverhältnis als Hinderungsgrund für die Wiedereinführung von G9 ist keine tragfähige Grundlage für ein gedeihliches, schulfriedliches Miteinander.